Presse

Nach und nach brennt sich die Intimität ein; der Film wird zu einer ungehemmt ehrlichen Psychoanalyse von Kindern und Eltern (...). Im großartigen Finale wird klar, wie wenig beim Kino vorherzusehen ist, was letztlich aufgehen wird. Zart und sensibel kann das Unbarmherzige sein, wenn dafür Zeit bleibt, wenn jemand sie sich nimmt und nur offen hinschaut. Kein Wunder: Fernsehsender waren nicht an Bord, und nur eine kleine regionale Förderung ist eingestiegen.

Frédéric Jaeger, Berliner Zeitung, 15. Juni 2015

Man hat Rothlaender und seinem Film bisweilen vorgeworfen, er beute seine Personen aus und würde ihr Fehlverhalten schonungslos zur Schau stellen, doch versucht er „nur“, drastisch offen und ehrlich Rechenschaft über ein verfahrenes Familiendrama zu leisten. Die Frage, ob „sich die immer gleichen familiären Konflikte von Generation zu Generation weiter“ vererben (Katalogtext der Nordischen Filmtage Lübeck 2015), muss letztlich unbeantwortet bleiben. Allein, wie sie hier gestellt wird, macht den Film zu einem außergewöhnlichen.  (Zum Artikel...)

Helmut Schulzeck, Infomedia-SH, November 2015

Vielleicht ist Sprache auch der Schlüsselbegriff bei der Frage nach der Natur des Films. Familie haben ist introspektiv, aber keine Eigentherapie; schonungslos, aber keine Abrechnung; verletzt, aber keine Anklage. In erster Linie ist der Film ein Zur-Sprache-Bringen des diffusen Gefühls, nicht aus Familienmustern ausbrechen zu können. In diesem Sinne kann man auch das großartige Finale deuten: Der Film hat eine gemeinsame Sprache geschaffen. Wo er aufhört, beginnt das Aussprechen.  (Zum Artikel...)

Manon Cavagna, Critic.de, Januar 2016

Einen "persönlichen, aber keinen privaten Film" wollte Jonas Rothlaender drehen. Genau das ist ihm gelungen, indem er die gründlich zerrüttete Familienbiografie zur großen Erzählung über die deutsche Nachkriegsgesellschaft werden lässt, in der die unbewältigten Traumata im Streben nach Gewinn und Wohlstand, nach reibungslosem Funktionieren einfach eingefroren wurden. Die Kälte ist spürbar bis ins dritte Glied, doch in seinem behutsamen Film spricht Jonas Rothlaender von der Hoffnung, seine Generation könne die Blockade der Gefühle durchbrechen.

Knut Elstermann, Berliner Zeitung, 07. Januar 2016

So kommt viel Privates in »Familie Haben« zu Tage – und dementsprechend interessant ist es, dass Rothlaender daraus einen Film montiert, dessen schonungslose Ehrlichkeit stellenweise zwar fast erschrocken macht, dabei aber auf sehr produktive Weise zum Nachdenken anregt über den verflixten Zusammenhang von offenen Rechnungen und familiärem Erbe. (Zum Artikel...)

Barbara Schweizerhof, epd Film, 28. Dezember 2015

"Familie Haben" ist ein mitunter erschreckender Film. Er erzeugt seine Schrecken allerdings nicht durch eine sensationalistische Darstellung von menschlichen Extremen, sondern erfährt sie im Gegenteil in der nüchternen Betrachtung ganz alltäglicher Abgründe. Ehrlich, klarsichtig und fernab einer Nabelschau berichtet Jonas Rothlaender vom Ringen um Selbsterkenntnis und Akzeptanz. (Zum Artikel...)

Carsten Moll, Spielfilm.de, Januar 2016

Mutig, ja schonungslos geht Rothlaender vor. Scharf der Blick bereits auf den Großvater Günther, einen Ex-Industriellen und Spekulanten, der das Vermögen seiner Frau an der Börse verzockte und damit Unheil über seine gesamte Familie brachte. Unangemeldet konfrontiert Rothlaender ihn mit den massiven Vorwürfen im karg eingerichteten Zimmer eines Zürcher Altenheims. Mit einer einfachen Handkamera hält er unerbittlich dessen Gleichgültigkeit fest, die nur durch die besessene Fixierung aufs Geld durchbrochen wird. (Zum Artikel...)

Johannes Metternich, Tagesspiegel, 12. Januar 2016

Über zwei Stunden lang bröselt Rothlaender die Geschichte seiner Familie auf und breitet dabei die Versatzstücke einer fatalen Tragödie aus, wie sie Shakespeare verhängnisvoller nicht hätte erfinden können. (Zum Artikel...)

Irene Genhardt, FILMDIENST 01/2016

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